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Stipendium: 
DOC
Fachbereich: 
Geistes-, Sozial, und Kulturwissenschaften
Porträtbild: 
Projekttitel: 
Essay und Essayismus in der italienischne Literatur des 20. Jahrhunderts
Studienrichtung: 
Italienisch | Literaturwissenschaft
Forschungsstätte: 
Karl-Franzens-Universität Graz
Förderdauer: 
01.03.2009 - 01.09.2011

Der moderne Essay war in den 1960/70er Jahren vor allem in Hinblick auf eine Revidierung der klassischen Gattungstrias der Literatur ein beliebtes Thema im Forschungsdiskurs der Germanistik. Mittlerweile ist wieder eine Konjunktur zu verzeichnen, die das Thema unter neuen Vorzeichen betrachtet. Im Vordergrund steht der Essayismus als prototypisches Denk- und Schreibverfahren der Moderne. Der Essayismus beschreibt einen kiritsch-offenen stark interdiskursiven und interdisziplinären Gedankenkomplex, der literarisch ästhetisiert vermittelt wird und eine metakritische Reflexionsinstanz der Moderne darstellt.

Auch im italienischen Kulturraum ist eine starke essayistische Produktion zu verzeichnen, die bis dato in literatur- und kulturwissenschaftlicher Theorie kaum präsent ist. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den italienischen Essayismus (oder besser die italienischen Essayismen) einer systematischen Analyse zu unterziehen, um ein geschlossenes Bild dieses modernen, dargestellten Denkverfahrens nachzuzeichnen. Es werden sowohl die Wechselwirkung zwischen expliziten und impliziten Formen des Essayistischen geprüft, als auch deren Abhängigkeit von und Impulsgabe für andere europäische Essayismen korrigierend analysiert. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die mimetische Darstellung des prozessualen Denkens gelegt, die durch die essayistische Schreibweise vorgibt, Gedanken des empirischen Ich explizit zu machen, wobei das Experimenthafte als ästhetisches Mittel zur Darstellung kognitiver Prozesse angenommen werden kann. Der Essayismus als Performance exemplarischer Gedankenmuster des 20. Jahrhunderts hat aufgrund seiner Interdiskursivität eine hohe Affinität zu interdisziplinären Verknüpfungen, die in einem weiten Bedeutungskontext sogar als dessen Grundbedingung angenommen werden können.

Der Langzeitwert des Forschungsvorhabens besteht in der gezielten Sammlung, Systematisierung und Aufarbeitung einer im italienischen Kulturraum wenig erforschten Textsorte, von deren Analyse und Einbindung in einen größeren Forschungskontext sich der Verfasser nützliche Ergebnisse erwartet.