claus.oberhauser

Stipendium: 
DOC
Fachbereich: 
Geistes-, Sozial, und Kulturwissenschaften
Porträtbild: 
Projekttitel: 
Die verschwörungstheoretische Trias: Barruel-Robison-Starck
Studienrichtung: 
Geschichtswissenschaften
Forschungsstätte: 
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Förderdauer: 
01.02.2011 - 31.01.2013

Die Französische Revolution war ein Bruch mit der Vergangenheit und ein starker Einschnitt in die Gesellschaft. Sie entstand aufgrund einer gesamtgesellschaftlichen Krise. Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten. Verschwörungen sind Antworten auf unerklärliche Begebenheiten und Macht- sowie Wahrheitsspiele. Ihnen liegt ein Prinzip zugrunde, welches die Gesellschaft bestimmt: Das Schwarz-Weiß-Sehen. Augustin Barruel, John Robison und Johann August Starck waren die drei erfolgreichsten Verschwörungstheoretiker ihrer Zeit. Ihre Werke prägen das Verschwörungsdenken bis in die unmittelbare Gegenwart. Der Vergleich ihrer als Antwort auf die Französische Revolution entstandenen Verschwörungstheorien liefert Anhaltspunkte für eine Erklärung des sozialen Phänomens „Verschwörung“. Alle drei Theoretiker stammen aus unterschiedlichen Ländern – aus Frankreich, Großbritannien/Schottland, Deutschland/Mecklenburg – haben aber nahezu die gleichen Antworten auf die Krise: Schuld sind die anderen, schuld sind die Progressiven. Wir sind die Bewahrer der Stabilität, wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen. Verschwörungstheorien lösen das Spannungsverhältnis zwischen Fortschritt und Rückschritt auf. Sie sind eine Welterklärung und eine Alternative in Bezug auf wissenschaftliche Beweisführung und mediale Komplexität. Verschwörungstheorien sind keine Hirngespinste, sondern ernstzunehmende Signale dafür, dass sich etwas im Wandel befindet und dass sich jemand ausgegrenzt fühlt. Viel zu oft wurde das Verschwörungsdenken nicht ernst genommen und als Absurdität abgetan. In der Dissertation wird danach gefragt, warum und wie Verschwörungstheorien funktionieren. Es wird davon ausgegangen, dass Verschwörungstheorien keineswegs irrational sind, sondern einer eigenen Vernunft folgen, die zwar von der Norm abweicht, aber in sich schlüssig ist. Verschwörungstheorien teilen eine „Wahrheit“, eine bestimmte Sicht der Dinge, mit, die einer anderen „Wahrheit“ entgegengesetzt ist. Somit wird deutlich, dass Verschwörungstheorien ein Teil des politischen Diskurses sind. Das Verschwörungsdenken ist mit dem Streben nach politischer Macht stark verbunden.