Jahresbericht 2006

Editorial des Jahresberichts 2006

>>> Die dritte Säule der Akademie
In den letzten zehn Jahren hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften
(ÖAW) ihr Engagement in der Nachwuchsförderung intensiviert
und konnte sich so neben dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung (FWF) und dem Österreichischen Austauschdienst (ÖAD) als
Nachwuchsförderinstitution etablieren. Diese dritte Säule der Akademie –
neben Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgereinrichtung – trägt mit
vergleichsweise geringem Personalaufwand wesentlich zum Tätigkeitsportfolio
der Akademie bei. Alle drei Bereiche – Gelehrtengesellschaft, Forschungsträgereinrichtung
und Nachwuchsförderung – definieren die Position
der Akademie in Österreichs Wissenschaftssystem.

>>> Sponsorships im ÖAW-Nachwuchsbereich
Zurzeit schreibt die ÖAW sechs Stipendienprogramme und 16 Forschungspreise
in allen Fachbereichen aus. 2006 war ein sehr erfolgreiches Jahr für
die Etablierung von neuen Kooperationen und Sponsorships: Drei Preise in
unterschiedlichen Disziplinen können im nächsten Jahr erstmals vergeben
werden – Bader-Preis im Bereich Kunstgeschichte, Dissertationspreis für
Migrationsforschung, Petrascheck-Preis im Bereich Mineralrohstoffforschung
– und mit L’ORÉAL Österreich und der Österreichischen UNESCOKommission
wurde eine Kooperationsvereinbarung über die Vergabe von
zwei Stipendien für junge Wissenschaftlerinnen aus der Medizin, den Naturwissenschaften
sowie der Mathematik ab dem Jahr 2007 abgeschlossen
(siehe auch „Neuigkeiten“ und „Kooperationen“).

>>> Erfolgsnachweis
Der vorliegende Bericht dokumentiert ab Seite 28 den Erfolg der Stipendienprogramme
APART, DOC und DOC-fFORTE in der Auswertung der Absolvent(
inn)enstatistik für die Jahre 1993 bis 2004. Dabei wird deutlich,
dass 93 Prozent der ehemaligen APART-Geförderten eine Stelle in einer
Forschungseinrichtung – sei es im universitären oder im außeruniversitären
(sowohl im öffentlich finanzierten als auch im privatwirtschaftlichen)
Bereich im In- und Ausland – erhalten konnten. Mehr als zwei Drittel der
Absolvent(inn)en der Doktorand(inn)enprogramme sind nach Abschluss
des Stipendiums weiterhin in der Forschung tätig. Der Fördererfolg dieser
Programme konnte damit eindrucksvoll nachgewiesen werden.

>>> Adaptierung der ÖAW-Förderprogramme
In den letzten Jahren hat die Akademie ihre Stipendienprogramme in Abstimmung
mit den Studienerfordernissen im Rahmen des Bologna-Prozesses
sowie entsprechend den Empfehlungen der Europäischen Charta für
Forschende adaptiert. Die Umsetzung dieser Maßnahmen und die damit
verbundene Verteuerung der Programme APART und DOC hat bei gleich
bleibendem Budget zur Folge, dass die Zahl der Stipendien reduziert werden
musste. Da die Zahl der Bewerbungen im Jahr 2006 jedoch unverändert
hoch blieb, lag die Bewilligungsquote für APART bei knapp 20 Prozent,
bei DOC nur bei 15 Prozent. Für DOC-fFORTE war dagegen dank der Erhöhung
der finanziellen Mittel durch das bm:bwk erfreulicherweise eine Bewilligungsquote
von 35 Prozent möglich. Bewilligungsquoten in diesem
Bereich werden auch für die Programme DOC und APART angestrebt.

>>> Die ÖAW als Podium der Jungen in der Wissenschaft
Im Jahr 2006 nahm die ÖAW ihre Funktion als Podium für die Vermittlung
von Wissenschaft und Forschung mit einer Reihe von Veranstaltungen
wahr. So ist es durch die ÖAW-Lectures, die an drei Abenden im September
im Rahmen der Österreichischen Forschungstage 2006 in der Akademie
durchgeführt wurden, gelungen, die Jugend an wissenschaftliche Themen
heranzuführen.
Veranstaltungen für Geförderte und ehemalige Geförderte dienten in erster
Linie der Unterstützung von Kontakten zwischen den jungen Forscherinnen
und Forschern. So bot die erste Veranstaltung im Rahmen des neu
gegründeten Vereins „Alumni/-ae der ÖAW-Stipendienprogramme“ – eine
Plattform zur Vernetzung ehemaliger Stipendiatinnen und Stipendiaten
der ÖAW-Programme APART,MAX KADE, DOC und DOC-fFORTE im In- und
Ausland – die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung mit potentiellen
Jobanbieter(inne)n und Forschungskooperationspartner(inne)n. 1
1 Mehr zu all diesen Veranstaltungen finden Sie im Kapitel „Ereignisse“.

Im Bereich der Gelehrtengesellschaft wird derzeit über die Möglichkeit der
Aufnahme einer „Jungen Gruppe“ nachgedacht. Geplant ist eine Einrichtung,
die Mitglieder auf Zeit bestellt und die insbesondere die Wissenschaftler(
innen)-Generation der 35- bis 45-Jährigen ansprechen soll. Diese
„Junge Gruppe“ würde jungen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen,
die bereits durch hochrangige Preise oder äquivalente Anerkennungen
ausgezeichnet wurden, neue Formen des wissenschaftlichen Arbeitens
durch Dialog zwischen den Fächern ermöglichen und ein Bindeglied zwischen
universitärer und außeruniversitärer Forschung in Österreich sein.

>>> Dank
Abschließend danke ich allen Institutionen und Sponsoren, die im Jahr
2006 einen Beitrag zur Realisierung der Förderprogramme geleistet haben:
> dem Bundesministerium für Bildung,Wissenschaft und Kultur – auch
in Kooperation mit dem Europäischen Sozialfonds bei DOC-fFORTE
Es ist besonders erfreulich, dass diese Förderschiene, die sich an junge
Forscherinnen aus den Technischen Wissenschaften, den Natur- und
Biowissenschaften sowie der Mathematik und der Medizin richtet, für
die Jahre 2007 und 2008 finanziell gesichert werden konnte.
> der StadtWien, die jedes Jahr ein APART- und ein DOC-Stipendium
sowie Projekte im Rahmen des Jubiläumsfonds der StadtWien für die
ÖAW finanziert
> der Max Kade-Foundation, New York
> den Unternehmen RZB, AGRANA und UNIQA, die im Rahmen von APART
ein Stipendium mit Schwerpunkt „Ostmitteleuropa“ für die
Themenbereiche Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sowie Volkswirtschaftslehre
finanzieren
> dem Böhlau Verlag Wien
> den privaten Stiftern und der Stifterin: Dr. Alfred und Isabel Bader,
Prof. Dr. Edmund Hlawka, Prof. Dr. Erich Thenius
Nicht zuletzt sei allen Mitgliedern der Bewertungskomitees, die vom Bundesministerium
für Bildung,Wissenschaft und Kultur, von der Österreichischen
Rektorenkonferenz, der Industriellenvereinigung und der ÖAW bestellt
werden, allen Gutachtern und Gutachterinnen im In- und Ausland
sowie den Mitarbeiterinnen der Verwaltungsstelle für Stipendien und
Preise herzlich für ihren großen Einsatz gedankt.

Peter Schuster
Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften