Jahresbericht 2007

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Editorial des Jahresberichts 2007

Der vorliegende Bericht dokumentiert die Aktivitäten, welche die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Jahre 2007 in der Nachwuchsförderung gesetzt hat. Die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand und durch eine Reihe von privaten Sponsoren ermöglichte es, 16 Preise an die Spitzen und den höchst talentierten Nachwuchs der österreichischen Wissenschaft zu vergeben. Im Rahmen von 8 Stipendienprogrammen wurden mehr als 200 junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gefördert. Die Vergabeder Akademiestipendien ist gekennzeichnet durch ein kompetitives Verfahren, in welchem die besten Anträge durch ein qualitätsorientiertes Referentensystem selektiert werden: Insgesamt 430 Einreichungen wurden beurteilt und nach Abschluss des Auswahlverfahrens konnten 98 Vorhaben gefördert werden. Die durch den finanziellen Rahmen vorgegebene relativ geringe Erfolgsrate stellt eine große Herausforderung für das Bewertungsteam, Referent(inn)en und Reviewer, dar. Trotz der im Berichtszeitraum dankenswerterweise erhöhten Mittel für die Stipendien konnten leider noch immer nicht alle hervorragenden
Projekte bewilligt werden.

Nachwuchsförderung mit dem Ziel, junge Wissenschaftler(innen) möglichst früh an eigenständiges Forschen heranzuführen, ist eines der wichtigsten Anliegen der ÖAW und unentbehrlich für die Zukunft der Wissenschaft. Die Demographie der alternden westlichen und insbesondere der europäischen Bevölkerung lässt erwarten, dass in Zukunft immer weniger junge Talente zur Verfügung stehen werden. Daher wird die Nachwuchsförderung immer mehr an Bedeutung gewinnen und zu einem zentralen Thema werden: Es gilt daher alle potenziell hoch qualifizierten Kräfte zu erreichen, für die Wissenschaft zu begeistern und mit allen Mitteln zu fördern. Die Verwaltungsstelle für Stipendien und Preise hat bereits unter der vorigen Leiterin, Dr. Lottelis Moser, dieser Aufgabe entsprochen und Treffen organisiert, in welchen die Stipendiatinnen und Stipendiaten ihre älteren Kolleg(inn)en und Alumni/-ae der Stipendienprogramme früherer Jahre kennenlernen können. Retrospektiv erwiesen sich diese Treffen als sehr erfolgreich für die Schaffung eines Zusammengehörigkeitsgefühls der von der Akademie Geförderten und als wirksam für die Gewinnung der besten Köpfe für die Forscher- und Wissenschaftlerlaufbahn.

Der Bericht dokumentiert auch die Schritte der ÖAW im Bereich Frauenförderung. Sie reichen von eigenen Stipendienprogrammen für Frauen wie DOC-fFORTE und L’ORÉAL Österreich bis zur gelebten Unterstützung weiblicher Bewerber 2 Editorial in den anderen Programmen: Knapp die Hälfte der mehr als 1100 seit 1993 unterstützten Personen sind Frauen.

Am 13. November 2007 fand in der ÖAW ein Symposium „Gender und Exzellenz – aktuelle Entwicklungen im Wissenschaftssystem“ unter der Schirmherrschaft von Margit Fischer statt. Renommierte Vortragende referierten über die Bedeutung von Strukturen im österreichischen Wissenschaftssystem,welche Chancengleichheit herbeiführen und garantieren können, und diskutierten forschungspolitische Implikationen für Bewertungsverfahren von wissenschaftlicher Exzellenz. Im Rahmen der seit 2005 jährlich erstellten Wissensbilanz der ÖAW werden zahlreiche Indikatoren zu Potenzialen, Leistungen und Wirkungen der
drei Säulen der Akademie – Gelehrtengesellschaft, Forschungsträgereinrichtung und Nachwuchsförderung – geschlechterspezifisch ausgewiesen.

Ohne den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder der Bewertungskomitees, die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, von der Österreichischen Universitätenkonferenz, der Industriellenvereinigung und der ÖAW bestellt werden,wäre die Abwicklung der Stipendienprogramme nicht möglich. Ihnen sei ebenso wie den Gutachterinnen und Gutachtern im In- und Ausland herzlich gedankt für ihre hervorragende Mitarbeit bei der Auswahl der Geförderten. Weiterhin ist jenen Institutionen und Sponsoren zu danken, die durch ihren finanziellen Beitrag die Realisierung der Förderprogramme ermöglichten:

  • dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung – durch die Aufstockung des Budgets für APART und DOC um 17 Prozent konnten die Bewilligungsquoten im Berichtszeitraum erstmals wieder deutlich erhöht werden,
  • der StadtWien, die wie jedes Jahr ein APART- und ein DOC-Stipendium finanzierte,
  • den Unternehmen Raiffeisen Zentralbank, AGRANA und UNIQUA, die imRahmen von APART ein Stipendium mit Schwerpunkt „Ostmitteleuropa“für die Bereiche Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sowie Volkswirtschaftslehrefinanzieren,
  • der Max Kade-Foundation, New York, der Dr. Alois Sonnleitner-Stiftung
  • und der Erich Thenius-Widmung,
  • L’ORÉAL Österreich und der Österreichischen UNESCO-Kommission, die ein Stipendienprogramm für Grundlagenforscherinnen in den Naturwissenschaften, der Medizin und Mathematik initiiert haben,
  • dem Böhlau Verlag Wien,
  • den privaten Stiftern und der Stifterin Dr. Alfred und Isabel Bader,
  • Prof. Rainer Bauböck und Prof.Moritz Csáky.

Besonderen Dank schulden wir den Leiterinnen und Mitarbeiterinnen der Verwaltungsstelle für Stipendien and Preise der ÖAW. Dr. Lottelis Moser hat die Verwaltungsstelle von Anbeginn bis zum 30. September 2007 geleitet, die Vergabegremien mit Referenten- und Gutachtersystem selbstständig aufgebaut und damit der Akademiestipendienvergabe ihre heutige auf die Schaffung und Förderung von Exzellenz ausgerichtete Form gegeben. Seit 1. Oktober 2007 setzt Dr. Barbara Haberl die erfolgreiche Arbeit von Dr. Moser in bewährter Art und Weise fort.

Peter Schuster
Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften