Jahresbericht 2008

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Titelseite Jahresbericht 2008

Editorial des Jahresberichts 2008

Das kontinuierlich wachsende Engagement der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Bereich der Nachwuchsförderung begann im Jahr 1993 mit der Entwicklung des Programms APART, einer Förderschiene für Wissenschaftler(innen), die sich für eine Professur qualifizieren wollen. Derzeit schreibt die ÖAW sieben Stipendienprogramme - darunter drei Programme für Doktorand(inn)en mit unterschiedlichen Zielsetzungen - und 16 Forschungspreise in allen Fachbereichen aus; mehr als 200 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden im Jahr 2008 gefördert.

Die Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler durch die Akademie schließt auch die Betreuung der Stipendiatinnen und Stipendiaten mit ein: Durch die Organisation von vielfältigen Veranstaltungen im Rahmen des Alumni-Vereins wird intensive Kommunikation und Vernetzung zwischen den jungen Forscherinnen und Forschern ermöglicht; Angebote im Bereich von Karriereberatung und persönlichem Coaching unterstützen die Ausbildung notwendiger Schlüsselqualifikationen; ein Mentoringprogramm ist in Vorbereitung, in das sowohl Stipendiat(inn)en und Mitarbeiter(innen) der ÖAW-Forschungseinrichtungen als auch Mitglieder der Gelehrtengesellschaft und der Jungen Kurie eingebunden werden sollen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die ÖAW als Nachwuchsfördereinrichtung von allen anderen österreichischen Förderinstitutionen.

Evaluierung der Stipendienprogramme

Hohe Antragszahlen machten von Beginn an deutlich, dass die ÖAW-Stipendienprogramme eine Lücke im System der österreichischen Nachwuchsförderung füllen. Das Monitoring der beruflichen Entwicklung der ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten, das regelmäßig durchgeführt wird, zeigt, dass die Ziele der Programme - Promotion bzw. Habilitation - im Wesentlichen erreicht werden.

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Nach 15 Jahren sollten nun erstmals Design, Ablauf und Wirkung der Stipendienprogramme der ÖAW überprüft werden. Das Präsidium hat daher im April 2008 Dr. Reinhard Grunwald, den ehemaligen Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), mit der Evaluierung der Stipendienprogramme für Post-docs und Doktorand(inn)en, die aus Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finanziert werden, beauftragt. Ziel dieser Evaluierung war es, die Programme APART, DOC, DOC-fFORTE, DOC-team und ROM zu beurteilen und zugleich das Förderportfolio der Akademie sowie ihre Positionierung in der österreichischen Nachwuchsförderung zu untersuchen.

Die Ergebnisse der Evaluierung sind für die ÖAW sehr erfreulich und bestärken sie in ihren Bemühungen um die erfolgreiche Weiterentwicklung der beurteilten Stipendienprogramme. Der im Dezember 2008 erstellte Bericht des Evaluationsteams bestätigt, dass die Förderphilosophie der Akademie - die Fokussierung auf konkret-individuelle Personenförderung mit der Betonung der persönlichen Exzellenz von Einzelpersonen - erfolgreich umgesetzt wird und die ÖAW mit ihren Stipendienprogrammen eine wichtige Systemfunktion im Kontext der Forschungsförderung in Österreich übernimmt.

In ihrem Bericht verweisen die Evaluatoren auf die kritische Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Österreich und reagieren darauf mit der Empfehlung, eine Informations- und Kooperationsplattform einzurichten, die für die Förderorganisationen, die zuständigen Bundesministerien und andere Stakeholder in der Nachwuchsförderung ein Forum zur besseren Abstimmung von aktuellen und zukünftigen Fördermaßnahmen bieten würde.
Die ÖAW nimmt diesen Vorschlag gerne auf und unterstützt ihn nachdrücklich.

Der Bericht stellt außerdem fest, dass das Förderportfolio der ÖAW mit den Stipendien für Doktorand(inn)en und Post-docs nur die ersten beiden Phasen der wissenschaftlichen Karriere abdeckt, und empfiehlt, die Förderkette durch eine Unterstützung exzellenter Wissenschaftler(innen) über die Nachwuchsförderung hinaus zu ergänzen. Vorgeschlagen wird das Modell einer „Akademieprofessur" für renommierte Wissenschaftler(innen), die von österreichischen Universitäten oder aus dem Ausland auf Zeit an Einrichtungen der Akademie geholt werden, um hier Forschungsprojekte durchzuführen.
Auch diese Anregung greift die Akademie gerne auf, da sie hier eine ausgezeichnete Gelegenheit sieht, auf diese Weise z.B. Expertinnen und Experten aus dem Ausland (zurück) zu gewinnen, neue Kooperationen zwischen universitären und außeruniversitären Einrichtungen zu etablieren oder auch bereits emeritierten Wissenschaftler(inne)n gute Arbeitsmöglichkeiten zu bieten.

Schließlich fordern die Evaluatoren, die Finanzierung der Programme - vor allem APART und DOC - auszubauen, um Bedeutung und Wahrnehmbarkeit der Förderprogramme zu erhöhen und ihre Funktion im System der österreichischen Nachwuchsförderung zu sichern. Mit einer besseren finanziellen Ausstattung und der Erweiterung der Förderkette könnte nach Meinung der Evaluatoren den künftigen Herausforderungen im europäischen Forschungsraum besser begegnet werden. Dieser Einschätzung schließt sich die ÖAW an - auch und vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die gezielte Förderung exzellenter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler außerordentlich wichtig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Forscherinnen und Forscher zu stärken.

Dank

Allen Mitgliedern der Vergabekomitees, die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, von der Österreichischen Universitätenkonferenz, der Industriellenvereinigung und der ÖAW bestellt werden, gebührt große Anerkennung und Dank: ohne ihr ehrenamtliches Engagement wäre die Abwicklung der Stipendienprogramme nicht möglich.
Auch den Gutachterinnen und Gutachtern im In- und Ausland sei herzlich gedankt für ihre unverzichtbare Mitarbeit bei der Auswahl der Geförderten. Weiterhin sind wir folgenden Instituten und Sponsoren für ihre finanzielle Unterstützung zu Dank verpflichtet:

  • dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, in dessen Auftrag die Akademie derzeit fünf Stipendienprogramme abwickelt,
  • der Stadt Wien, die wie jedes Jahr ein APART- und ein DOC-Stipendium finanzierte,
  • den Unternehmen Raiffeisen Zentralbank, AGRANA und UNIQA, die im Rahmen von APART ein Stipendium mit Schwerpunkt „Ostmitteleuropa" für die Bereiche Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften finanzieren,
  • der Max Kade-Foundation, New York,
  • L'ORÉAL Österreich und der Österreichischen UNESCO-Kommission, die ein Stipendienprogramm für junge Wissenschaftlerinnen in den Naturwissenschaften, der Medizin und Mathematik initiiert haben,
  • dem Böhlau Verlag Wien,
  • den privaten Stiftern und Stifterinnen Dr. Alfred und Isabel Bader, Prof. Rainer Bauböck, Prof. Moritz Csáky, Prof. Erich Thenius, Prof. Edmund Hlawka und Rosemarie Schlögl.

Peter Schuster
Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften