Daniel Schramek, 2011
Alois Sonnleitner-Preis 2011
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften verleiht den Alois Sonnleitner-Preis 2011 an
Daniel Schramek
Dr. Daniel Schramek wird in Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiet der epithelialen Tumorgenese ausgezeichnet.
Das Forschungsgebiet:
In seinen Forschungen versucht der Preisträger, die Zusammenhänge zwischen Stress, Umwelt und Krebsentstehung auf molekularer Ebene zu verstehen – diese Erkenntnisse können zu neuen Therapieansätzen und besseren Chemotherapeutika führen.
Brustkrebs zählt zu den häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen in westlichen Gesellschaften. Statistisch gesehen ist jede achte Frau in Europa im Lauf ihres Lebens von dieser Krankheit betroffen. Nur ein kleiner Teil der Erkrankten hat die Veranlagung geerbt, meist ist der Tumor durch äußere Einflüsse erworben. In seiner Arbeit konzentriert sich der Preisträger darauf, diese Zusammenhänge zwischen äußeren Einflüssen und der Brustkrebsentstehung auf zellulärer Ebene zu verstehen, um mit diesem Wissen neue therapeutische Ansätze für den Menschen zu finden.
Zu den äußeren Faktoren, die Brustkrebs begünstigen, zählt die Einnahme von synthetischen Progesteronen (Gestagenen) im Zuge einer Hormonersatztherapie oder zur hormonellen Empfängnisverhütung. Zusammen mit Josef Penninger konnte Daniel Schramek zeigen, dass synthetische Sexualhormone in Brustdrüsenzellen von Mäusen die Produktion von RANKL, einem Protein, das wesentlich an der Regulation von Knochenaufbau und -abbau beteiligt ist, tausendfach steigern. Dadurch werden die Zellen zur Teilung angeregt und gleichzeitig davor geschützt, bei Genschäden vom Körper eliminiert zu werden, es kommt damit zu einer Anhäufung von Mutationen. Außerdem stimuliert RANKL eine Zunahme der Stammzellenpopulation – alles wesentliche Voraussetzungen für die Entstehung von Krebs. Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass Inaktivierung von RANKL im Brustepithel von Mäusen die Entstehung von hormongetriebenem Brustkrebs verhindert. Daraus schließen die Forscher, dass die Hemmung von RANKL als vorbeugende Maßnahme oder als Therapie gegen hormonabhängigen Brustkrebs beim Menschen eingesetzt werden kann. Da RANKL auch ein Schlüsselmolekül im Knochenstoffwechsel ist und ein Medikament, das RANKL hemmt, gegen Osteoporose eingesetzt wird, konnten klinische Studien bereits initiiert werden.
Andere Faktoren, wie zum Beispiel Schadstoffe im Zigarettenrauch oder auch mutagene Strahlungen, schädigen täglich das Erbmaterial von Milliarden von Zellen im menschlichen Körper. Diese Mutationen können zur unkontrollierten Zellteilung und zur Tumorentstehung führen. Zellen wehren sich aber vehement gegen ihre Entartung durch sogenannte tumorunterdrückende Mechanismen. Dr. Schramek ist es gelungen, ein Enzym – die Stress-Kinase MKK7 – als essentiellen Sensor von onkologischem und gentoxischem Stress zu identifizieren und zu zeigen, dass MKK7 die Entstehung von Krebs in der Brust – aber auch z.B. in der Lunge – verhindert.
Der Preisträger:
Daniel Schramek, geb. 1981, studierte Molekularbiologie an der Universität Wien, wo er im Juli 2010 promovierte. Danach war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Josef Penninger am Institute of Molecular Biotechnology Austria (IMBA) der ÖAW tätig. Seit Mai 2011 ist er als Postdoctoral Fellow am Laboratory of Mammalian Cell Biology and Development der Rockefeller University in New York beschäftigt.
Der Preis:
Der Alois Sonnleitner-Preis in Höhe von 3.700,- Euro wird zur Förderung wissenschaftlicher Untersuchungen auf dem Gebiet der biomedizinischen Grundlagenforschung unter besonderer Berücksichtigung der Karzinogenese vergeben.

