Sabrina Luimpöck


Dissertationspreis für Migrationsforschung 2015

zu gleichen Teilen an Sabrina Luimpöck und Fabiane Baxewanos


Sabrina Luimpöck wird für ihr Dissertationsprojekt „Erwerbsbiografien tschetschenischer Flüchtlinge. Flucht und Asylverfahren als biografische Doppelzäsur“ ausgezeichnet.

In ihrer Dissertation beschäftigt sich Sabrina Luimpöck mit dem Einstieg in den Arbeitsmarkt aus der Perspektive der Betroffenen am Beispiel von tschetschenischen Asylberechtigten. Fallrekonstruktionen im Rahmen biografischer Interviews sollen Aufschluss geben, wie Flüchtlinge Hindernisse beim Arbeitsmarkteinstieg deuten. Welche Strategien entwickeln Asylberechtigte zur Überwindung der beiden Einschnitte in die Erwerbsbiografie – Flucht und soziale Exklusion im Asylverfahren – und wie werden durch die Flucht bedingte Abbrüche von Arbeits- und Ausbildungsverhältnis in die Gesamtbiografie eingebettet? Diagnosen zur Langzeitarbeitslosigkeit, zum Strukturwandel der Anerkennung sowie zu Segregations- und Labellingprozessen werden auf die soziale Ausgrenzung im Asylverfahren bezogen und mit biografietheoretischen Grundlagen verbunden. Die Kombination der biografischen Interviews mit egozentrierten Netzwerkgrafiken ermöglicht zudem eine Analyse der Rollen von sozialen Kontakten – innerhalb der ‚ethnischen‘ Community und zur lokalen Bevölkerung – als Ressource für Sozialkapital, beruflichen Ein- und Aufstieg und zur Überwindung der beiden biografischen Schnittstellen. Bei der Analyse geschlechtsspezifischer und intergenerationeller Unterschiede finden tradierte Normvorstellungen und Werteverschiebungen in Bezug auf Arbeitsteilung und Erwerbs- und Bildungsorientierungen Beachtung. Obwohl diese sozialen Konstrukte Veränderungen in Modernisierungsprozessen unterworfen sind, kommt dem tschetschenischen Wertekodex Adat für gegenseitige Unterstützung und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bis heute ein hoher Stellenwert zu.

Die Preisträgerin


Sabrina Luimpöck hat 2010 das Studium Soziale Arbeit an der FH Campus Wien und 2014 das Bachelorstudium in Slawistik (Russisch, Tschechisch) an der Universität Wien abgeschlossen. Seit 2010 ist sie Doktorandin am Institut für Soziologie der Universität Wien und seit Dezember 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department Soziales der FH Burgenland.