Preisträgerin Dagmar Graber


Karl Schlögl-Preis 2011


Dagmar Graber wird für ihre Dissertation Enzymatische Synthese von tRNA-Peptid Konjugaten und Spektroskopische Untersuchungen von fluormodifizierter RNA ausgezeichnet.

Ziel der Arbeit war es, mit Hilfe von chemisch veränderten Ribonukleinsäuren einen Einblick in komplexe biologische Vorgänge zu gewinnen.

Bei der Biosynthese von Proteinen wird die genetische Information der DNA in Boten-RNA (mRNA) umgeschrieben und anschließend in der Proteinfabrik der Zelle - dem Ribosom - in eine Abfolge aus Aminosäuren übersetzt. Dabei übernehmen Transfer-RNAs (tRNAs) die zentrale Aufgabe, den Nukleinsäurecode zu entschlüsseln und die korrekten (codierten) Aminosäuren anzuliefern. Im Ribosom kommt es zur Verknüpfung der angelieferten Aminosäuren und der entsprechend codierte Eiweißstoff wird synthetisiert.

Seit vielen Jahren bemühen sich zahlreiche Forschungsgruppen, den Prozess der Proteinsynthese in detaillierter Weise aufzuklären. Um einen definierten Zustand untersuchen zu können, werden Substrate benötigt, welche unter den experimentellen Bedingungen eine ausreichende Stabilität aufweisen. Aus diesem Grund sind chemisch modifizierte Transfer-RNA (tRNA) Substrate von großem Interesse, bei denen eine kurze Aminosäuresequenz (Peptidkette) über eine stabile Bindung an der tRNA fixiert ist. Mit solchen stabilen (Hydrolyse-resistenten) tRNA-Peptid Konjugaten können bestimmte Zustände während der Proteinsynthese im Ribosom dargestellt und untersucht werden.

Im Rahmen dieser Dissertation wurde eine Methode entwickelt, um zu stabilen (Hydrolyseresistenten) tRNA-Peptid Konjugaten zu gelangen. Künstliche tRNAs wurden durch eine kombinierte Anwendung von chemischen und biochemischen Methoden hergestellt. Um stabile tRNA-Peptid Konjugate zu erhalten, welche sich nur in einer einzigen Position (der Verbindung zwischen tRNA und Peptidkette) von den natürlichen tRNAs unterscheiden, wurde ein grundlegend neues tRNA Semisynthesekonzept entwickelt. Natürliche tRNAs wurden mit Hilfe von enzymatischen Methoden so manipuliert, dass ein Teil der natürlichen tRNA durch einen kurzen, chemisch synthetisierten Peptidyl-RNA Strang ersetzt werden konnte. Diese stabilen tRNA-Peptid Konjugate werden unter anderem zur Untersuchung der Antibiotika-Resistenz von Bakterien verwendet.

Die Preisträgerin


Dagmar Graber, geb. 1980, studierte Chemie an der Universität Innsbruck, wo sie im Jahr 2010 auch mit Auszeichnung promovierte. Danach war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck beschäftigt. Seit August 2011 ist sie Postdoktorandin bei Roche Diagnostics GmbH in Penzberg, Deutschland.