Eugenia Pankevich wird für ihre Veröffentlichung Systematic discovery of CRISPR-boosted CAR T cell immunotherapies ausgezeichnet.
CAR-T-Zellen haben die Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen revolutioniert. Sie werden aus dem Immunsystem der Patient:innen gewonnen und genetisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und zerstören. Dennoch verlieren viele CAR-T-Zellen schnell ihre Wirksamkeit oder entfalten keine ausreichende therapeutische Stärke. Die zentrale Frage lautet daher: Wie lassen sich CAR-T-Zellen effektiver machen?
In der ausgezeichneten Arbeit wurde die Technologieplattform CELLFIE entwickelt, die die Funktion von CAR-T-Zellen systematisch optimiert. Mithilfe der CRISPR-Genschere werden gezielt Gene ausgeschaltet oder verändert, um zu bestimmen, welche Programme Stärke, Ausdauer und Effektivität steuern. CELLFIE ermöglicht die parallele Untersuchung nahezu aller menschlichen Gene in CAR-T-Zellen und liefert damit eine umfassende funktionelle Kartierung potenzieller Schwachstellen und Ansatzpunkte.
Die Analysen führten zur Identifizierung genetischer Faktoren, die die Leistungsfähigkeit von CAR-T-Zellen maßgeblich beeinflussen. Besonders bemerkenswert ist, dass das Ausschalten des Gens RHOG, das in der natürlichen Immunabwehr eine wichtige Rolle spielt, die CAR-T-Zellen deutlich leistungsfähiger macht: Ihre Expansion, funktionelle Aktivität und Antitumorwirkung werden erheblich gesteigert. Dies stützt die zentrale Studienhypothese, dass Gene, die im normalen Immunsystem essenziell sind, in gentechnisch modifizierten CAR-T-Zellen hemmend wirken können. Darüber hinaus zeigte die kombinierte Inaktivierung von RHOG und FAS in mehreren präklinischen Modellen einen stark verstärkten therapeutischen Effekt bis hin zur vollständigen Tumorkontrolle.
Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die Funktionsweise gentechnisch veränderter Immunzellen und eröffnen einen systematischen Ansatz zur Entwicklung leistungsfähigerer CAR-T-Therapien. Diese Strategie hat das Potenzial, zukünftige Zelltherapien bei Blutkrebserkrankungen, soliden Tumoren und anderen Erkrankungen gezielt verbessern.
Eugenia Pankevich ist Wissenschaftlerin im Bereich Krebsimmuntherapie und Technologieentwicklung. Nach ihrem M.Sc. in Bioengineering und Bioinformatik an der Lomonossow-Universität Moskau (Russland) sowie einem Forschungsaufenthalt an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz) begann sie 2018 ihre wissenschaftliche Arbeit in Österreich. Ihre Promotion absolvierte sie in der Gruppe von Prof. Dr. Christoph Bock am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und schloss sie 2025 an der Medizinischen Universität Wien ab. Als Forscherin und Projektmanagerin am CeMM entwickelt sie innovative T-Zell-Therapien mit dem Ziel, neue Behandlungskonzepte rasch in die klinische Anwendung zu überführen.