Erich Thenius-Stipendium 2025

Patrick Jambura wird für seine Dissertation Evolutionary History and Macroevolutionary Dynamics in Sharks and Rays (Elasmobranchii) ausgezeichnet.

Patrick Jambura erforscht die Evolution, Diversifizierung und Gefährdung von Haien und Rochen (Elasmobranchii) aus einer integrativ-paläobiologischen Perspektive. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Frage, wie sich ökologische und funktionelle Merkmale dieser langlebigen Wirbeltiergruppe über 400 Millionen Jahre entwickelt haben und welche Faktoren ihre heutige Vulnerabilität bestimmen. Er kombiniert morphologische und molekulare Daten fossiler und rezenter Elasmobranchier mit phylogenetischen und evolutionären Modellen, um langfristige Muster von Anpassung, trophischer Spezialisierung und Aussterbedynamiken zu rekonstruieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zahnmikrostruktur, die zentrale Hinweise zur ökologischen Rolle und Evolutionsgeschichte einzelner Linien liefert.

Durch moderne bildgebende Verfahren wie Mikro-CT, digitale 3D-Rekonstruktionen und computergestützte Trait-Analysen macht Patrick Jambura funktionelle Veränderungen im Kontext historischer Umweltumbrüche sichtbar. Seine Arbeiten zeigen, wie Verschiebungen in Nahrungsketten, Meerestemperaturen oder Habitatsstrukturen sowohl evolutive Innovationsphasen als auch erhöhte Verwundbarkeit bestimmter Gruppen begünstigten. Die Verknüpfung fossiler Evidenz mit ökologischen und biogeografischen Daten heutiger Populationen ermöglicht präzisere Einschätzungen der Resilienz moderner Elasmobranch-Gemeinschaften gegenüber aktuellen Umweltveränderungen.

Ein ergänzender Schwerpunkt liegt im angewandten Naturschutz. Mit der Gründung des deutschen Ablegers des Citizen-Science-Projekts MECO (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations) etablierte Patrick Jambura eine Plattform, die Sichtungsmeldungen von Taucher:innen und Fischer:innen systematisch sammelt. Diese Datensätze liefern neue Einblicke in Verbreitung, saisonale Muster und Gefährdung von Haien und Rochen im Mittelmeer. Die bisherigen Ergebnisse dokumentieren Rückgänge in der Sichtbarkeit mehrerer Arten und regionale Unterschiede im Auftreten – wichtige Grundlagen für evidenzbasierte Schutzmaßnahmen.

Mit diesem integrativen Ansatz verbindet Patrick Jambura grundlegende Evolutionsforschung mit naturschutzrelevanten Anwendungen und zeigt, wie Kenntnisse aus der Erdgeschichte dazu beitragen können, den aktuellen Biodiversitätsverlust besser zu verstehen und wirksame Strategien zu entwickeln.

Der Preisträger

Patrick Jambura studierte Biologie und Zoologie an der Universität Wien und promovierte 2024 in Erdwissenschaften an der Vienna Doctoral School of Ecology and Evolution. Seine Dissertation zur Evolution und zum Schutz von Haien und Rochen verfolgt das Ziel, aus der Erdgeschichte Erkenntnisse für heutige Biodiversitätskrisen zu gewinnen. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an das Natural History Museum London, das Smithsonian National Museum of Natural History (Washington D.C.) und das KwaZulu-Natal Sharks Board (Südafrika). Für seine Dissertation erhielt er das Emil-Boral-Stipendium, den Bernhard-Rensch-Preis und den Rupert-Riedl-Preis. 2019 gründete er den deutschen Ableger des Citizen-Science-Projekts MECO zur Erfassung von Haien und Rochen im Mittelmeer. Seit 2025 arbeitet er als Amtssachverständiger für Natur- und Landschaftsschutz in Oberösterreich.