Lisa Mayr wird für ihre Veröffentlichung Effective targeting of PDGFRA-altered high-grade glioma with avapritinib ausgezeichnet.
Hirntumoren sind nach wie vor die häufigste krebsbedingte Todesursache im Kindesalter. Besonders aggressive Formen wie pädiatrische hochgradige Gliome (pHGG) und diffuse Mittelliniengliome (DMG) gelten bis heute als nahezu unheilbar – die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose beträgt 18 Monate. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den biologischen Mechanismen dieser Tumoren auf den Grund zu gehen und daraus eine gezielte Therapie zu entwickeln. Durch systematische Grundlagenforschung identifizierte das Team den sogenannten PDGFRA-Rezeptor, ein Eiweiß auf der Oberfläche der Tumorzellen, als zentralen Treiber des Tumorwachstums. Analysen von über 200 Tumorproben zeigten, dass dieser Rezeptor bei etwa 15% aller pHGG-Patient:innen krankhaft verändert und überaktiv ist. Diese Erkenntnis lieferte die wissenschaftliche Grundlage für einen gezielten Therapieansatz. Aus mehreren bereits klinisch zugelassenen Wirkstoffen wurde Avapritinib als wirksamster und spezifischster Hemmstoff des PDGFRA-Rezeptors identifiziert. Das Medikament zeigte in präklinischen Modellen überzeugende Ergebnisse: Es erreichte das Tumorgewebe im Gehirn, hemmte gezielt die krankhaften Signalwege in den Krebszellen und verlangsamte das Tumorwachstum – bei guter Verträglichkeit. Aufgrund dieser vielversprechenden Befunde wurde Avapritinib in einem nächsten Schritt bei einzelnen Patient:innen in Wien, Hamburg, Zürich, Großbritannien und den USA eingesetzt. Bei drei von sieben behandelten Patient:innen zeigte sich ein deutlich messbares Ansprechen – bemerkenswert, da viele davon bereits alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft hatten. Darüber hinaus gewann das Team erste Erkenntnisse darüber, welche molekularen Veränderungen ein Ansprechen begünstigen und wie Resistenzen entstehen können – wichtige Grundlagen für die weitere Forschung. Diese Arbeit steht beispielhaft für erfolgreiche translationale Forschung: Erkenntnisse aus dem Labor werden direkt in neue Behandlungsmöglichkeiten für schwerkranke Kinder übersetzt. Die Ergebnisse haben bereits die Initiierung einer internationalen klinischen Studie ausgelöst und weltweit weiteren Kindern den Zugang zu dieser Therapie ermöglicht.
Lisa Mayr ist Oberärztin an der Pädiatrischen Neuroonkologie der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien, an der sie auch promovierte. Sie arbeitete am Dana-Farber Cancer Institute in Boston in der Arbeitsgruppe von Mariella Filbin an der Erforschung der Heterogenität diffuser Mittelliniengliome und Identifikation neuer Therapieoptionen. Sie erhielt Auszeichnungen für ihre wissenschaftlichen Leistungen (Researcher of the month, Dr. Hildegard Dinter-Lutz-Forschungspreis für Hirntumorforschung).
Aktuell arbeitet Dr. Mayr in der Forschungsgruppe Molekulare Neuroonkologie von Prof. Johannes Gojo im Bereich Precision Medicine und Translational Medicine und erforscht die Heterogenität hochgradiger Gliome und Identifikation und Etablierung neuer Therapieoptionen.