Dagmar Gotthardt-Pötsch wird für ihre Forschungsleistungen im Bereich der Immunonkologie, insbesondere für ihre Beiträge zur translationalen Forschung in der Immuntherapie mit T-Zellen und NK-Zellen, ausgezeichnet.
Natural Killer (NK)-Zellen sind zentrale Akteure des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen und eliminieren virusinfizierte oder entartete Zellen ohne vorherige Sensibilisierung und spielen damit eine Schlüsselrolle in der Tumorabwehr. Darüber hinaus regulieren NK-Zellen zahlreiche physiologische Prozesse – wie die Immunbalance in der Schwangerschaft oder die Modulation autoimmuner Erkrankungen. NK-Zellen selbst entarten nur äußerst selten; kommt es jedoch dazu, entstehen aggressive NK-Zell-Leukämien, deren Biologie weitgehend unverstanden ist.
Die Forschung von Dagmar Gotthardt-Pötsch konzentriert sich auf die molekularen Mechanismen, die Entwicklung, Funktion und Fehlregulation von NK-Zellen steuern. In ihrer früheren Arbeit identifizierte sie entscheidende Schlüsselmoleküle und Signalwege – insbesondere der JAK/STAT-Signaltransduktion – als zentrale Regulatoren der NK-Zellen. Eine ihrer prägenden Entdeckungen war, dass NK-Zellen VEGF-A produzieren können, was Tumorwachstum fördert, während STAT5 diesen Prozess kontrolliert. Diese Erkenntnis stellte die bis dahin vorherrschende Sichtweise in Frage, nach der NK-Zellen ausschließlich tumorunterdrückend wirken, und wurde mit dem Preis für innovative interdisziplinäre Krebsforschung ausgezeichnet.
Ihre aktuelle Forschung richtet sich auf NK-Zell-Alterung, Seneszenz und die Mechanismen, die die seltene Transformation von NK-Zellen ermöglichen. Ziel ist es, zu verstehen, warum NK-Zellen so stabil gegenüber malignen Veränderungen sind – und welche molekularen Ereignisse diesen Schutz durchbrechen. Ein bedeutender Fortschritt ihres Teams ist die Etablierung des ersten präklinischen Mausmodells für NK-Zell-Leukämie. Dieses Modell zeigt, dass hyperaktives STAT5 eine chronische NK-Zell-Expansion auslösen, von der etwa 30 % in eine aggressive Leukämie übergehen. Damit lässt sich erstmals die frühe Entwicklung dieser seltenen Erkrankung experimentell nachverfolgen und therapeutisch beeinflussen.
Mit einer klar translationalen Ausrichtung verbindet Dagmar Gotthardt-Pötsch grundlegende Immunologie mit klinischer Relevanz und liefert damit die Basis für neue therapeutische und präventive Ansätze.
Dagmar Gotthardt-Pötsch ist Assistenzprofessorin für Pharmakologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Nach ihrem PhD an der Medizinischen Universität Wien zur NK-Zell-Signaltransduktion und einem Postdoc an der UCSF etablierte sie ihre eigene Forschungsgruppe. Für ihre Arbeiten erhielt sie u. a. den Ursula- und Fritz-Melchers Preis, zwei Preise für innovative Krebsforschung der Stadt Wien sowie den Heribert-Konzett-Award. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Alterungsmechanismen von NK-Zellen und deren Bedeutung für Immuntherapie, Immunschwäche und die Transformation zu NK-Zell-Leukämien. Als zweifache Mutter engagiert sie sich zudem für die Vereinbarkeit von exzellenter Forschung, Mentoring und Familie.