Johannes Sporer


Roland Atefie-Preis 2013

zu gleichen Teilen an Johannes Sporer und Patrick McAllister


Johannes Sporer wird für seine Dissertation „Der Lobpreis Gottes: Mönchsliturgien, Araberstämme und der Koran“ ausgezeichnet.


Das Interessensgebiet von Johannes Sporer sind das syrische Christentum und islamische Strömungen sowie ihr Verhältnis zueinander. Aufgabe der ausgezeichneten Arbeit ist es, ausgewählte Suren des Korans mit christlich liturgischen Texten zu vergleichen, theologisch zu reflektieren und das historische Umfeld einzubeziehen. Die Dissertation rekonstruiert dabei anhand von aramäischen und arabischen Quellen den Kulturtransfer auf der arabischen Halbinsel zur Zeit Mohammeds.
Ziel der Arbeit ist es, die historischen Umstände und den Kulturtransfer exemplarisch anhand der west-syrischen Liturgietradition darzustellen, nachzuzeichnen und die unterschiedlichen Anschauungen bei gleichbleibenden Motiven in den jeweiligen Texten zu erhellen. Johannes Sporer hat dazu die syrischen und arabischen Originaltexte teilweise erstmals übersetzt und interdisziplinär – liturgiewissenschaftlich und islamwissenschaftlich – untersucht. Dabei hat er die Methode der Vergleichenden Liturgiewissenschaft für die interreligiöse Forschung adaptiert und angewandt.
Im Zuge der christologischen Auseinandersetzungen nach dem Konzil von Chalzedon (451) fanden „monophysitische“, also christliche, Flüchtlinge in den arabischen Grenzgebieten Zuflucht. Mit ihrer Liturgie vermittelten diese Mönche den altarabischen Stämmen das Christentum. Viele Motive fanden dadurch über die altarabische Dichtung Eingang in die arabische Kultur, in der der Koran erstmals verkündet wurde. Der Lobpreis Gottes ist als Ausdruck des Glaubens sowohl in der christlichen Tagzeitenliturgie als auch im Koran zentral. Die christlichen Heiligengedenktage sind in ihrer liturgischen Feier auf Christus hin ausgerichtet. Christliche Heilige kommen auch im Koran vor und können dort als Propheten vor Mohammed bezeichnet werden, die den einen Gott verehrten und den Götzendienst ablehnten. Ihr Schicksal wird dort zum Zeichen der Barmherzigkeit Gottes und zum Vorbild für die Gläubigen.

Der Preisträger


Johannes Sporer studierte katholische Theologie, Islamwissenschaft, Semitistik und Arabistik in Salzburg, München und Wien und schloss sein Dissertationsstudium 2013 ab. Vor und während seiner Studien absolvierte er Praktika im Kibbutz Maayan Zwi in Israel, bei der Caritas in Kairo und an der Österreichischen Botschaft in Damaskus. Er ist Universitätsassistent am Institut für Historische Theologie, Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie der Universität Wien.