Teresa Schweighofer


Roland Atefie-Preis 2020


Teresa Schweighofer wird für ihre hervorragende Dissertation Das Leben deuten. Eine praktisch-theologische Untersuchung zu Selbstverständnis und Handlungskonzepten Freier Ritualbegleiter_innen in Österreich ausgezeichnet.

 

Dass Menschen zentrale Lebensereignisse rituell begehen, lässt sich quer durch Zeit und über Kulturen hinweg beobachten. Lange Zeit hatten die etablierten Religionsgemeinschaften gewissermaßen ein Ritenmonopol inne, in den letzten Jahrzehnten ändert sich das jedoch. Ein neuer Dienstleistungszweig hat sich entwickelt: Freie Ritualbegleitung. Darunter fallen all jene, welche – unabhängig von religiösen oder staatlichen Institutionen – die Entwicklung, Gestaltung und Durchführung von Ritualen zu einem gewünschten Anlass anbieten. Dabei kann beinahe alles zum Ritualanlass werden. Besonders nachgefragt sind Rituale rund um Hochzeiten und Beerdigungen, in letzter Zeit verstärkt auch Rituale zur Geburt eines Kindes. Diese Angebote stellen eine große Herausforderung für die pastorale Praxis wie die Theologie dar. Ausgehend von einer umfassenden Erhebung der Situation Freier Ritualbegleitung in Österreich mit sozialwissenschaftlichen Methoden wurden deshalb relevante theologische Fragestellungen identifiziert, reflektiert und entsprechende theologische Optionen entwickelt.

Als zentrales Handlungskonzept Freier Ritualbegleiter*innen hat sich dabei der Aushandlungsprozess über Inhalt und Form des Rituals zwischen allen am Ritual Beteiligten herausgestellt. Das Ziel dieses Aushandlungsprozesses ist es, die bestmögliche Passung herzustellen. Für das Handeln und das Selbstverständnis der Anbieter*innen sind weiter eine selbstermächtigende Haltung, das Verständnis als Dienstleistung sowie die Ereignishaftigkeit von Ritualen.

In der folgenden theologischen Reflexion wird in einer ersten Option die Bedeutung der Eigenverantwortlichkeit im Kontext theologischer Anthropologie reflektiert. Damit einher geht die Forderung die theologischen Vorstellungen der Menschen zu heben und eine mäeutische Begleitung anzubieten, die es Menschen ermöglicht, zu einer eigenen theologischen Ausdrucksfähigkeit zu kommen. Im Kontext der Option für eine ausbalancierte Anpassung wird verdeutlicht, warum es theologisch notwendig ist die gestalterischen Spielräume innerhalb der sakramentalen Riten zu nutzen sowie das Bedürfnis nach einer erfahrungsreichen und ästhetisch wie emotional ansprechenden Feiergestalt wertzuschätzen. Daneben wird dafür plädiert, die Begabungen von Menschen mit einem rituellen Charisma als geistgewirkte Charismen wahrzunehmen und so die immer noch relativ eindeutige Zuordnung von Amt und rituellem Handeln zu hinterfragen. Zuletzt wird schließlich die Wahrnehmung der bestehenden Vielfalt ritueller Formen und der Ausweitung derselben durch kreatives und mutiges Erproben gefordert.

 

Die Preisträgerin


Teresa Schweighofer hat Katholische Theologie und Religionspädagogik an den Universitäten Graz und Innsbruck studiert und 2009 abgeschlossen; bereits während des Studiums war Teresa Schweighofer Studienassistentin am Institut für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie an der Kath.-Theol. Fakultät Graz (2006-2009). Anschließend folgten die Ausbildung zur Pastoralassistentin (2009-2010) und das Unterrichtspraktikum für das Unterrichtsfach Katholische Religion mit anschließender Lehrtätigkeit in diesem Fach (2010-2012). Im Oktober 2018 promovierte Teresa Schweighofer an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Wien und erhielt 2020 für Ihre Dissertation den Promotionspreis der Fakultät. Während des Doktoratsstudiums hatte Teresa Schweighofer eine Stelle als Universitätsassistentin (prae doc) am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien. Von 2015 -2019 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen. Nach einer Gastprofessur für Praktische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Humboldt Universität zu Berlin im Wintersemester 2019/20, wurde Sie im April 2020 als W1-Professorin für „Praktische Theologie“ an dieser Universität ernannt.