Predrag Bukovec


Roland Atefie-Preis 2017


Predrag Bukovec wird für seine Dissertation „Der Einsetzungsbericht: Die Genese des Eucharistischen Hochgebets“ ausgezeichnet.

Predrag Bukovec' Dissertation „Der Einsetzungsbericht: Die Genese des Eucharistischen Hochgebets“ befasst sich mit der Entstehung derjenigen liturgischen Großform, die bis heute in allen Kirchen des Westens und Ostens bei der Eucharistiefeier im Zentrum steht. Die Studie untersucht sämtliche relevanten Primärquellen aus dem Zeitraum zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert anhand der Handschriften und in den jeweiligen Originalsprachen (u. a. Griechisch, Syrisch, Koptisch, Äthiopisch, Latein, Arabisch, Armenisch und Georgisch). Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Subeinheit der Einsetzungsworte gelegt, die bei der Genese des Hochgebets eine wichtige Rolle einnehmen. Für einige Kirchen, besonders des Westens, geschieht bei diesen Worten ("Dies ist Mein Leib", "Dies ist Mein Blut") die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, während in den byzantinischen und orientalischen Ostkirchen dieser Abschnitt narrativ anders eingesetzt wird, z. B. als legitimierende Stiftungserzählung oder als Rückblende.
Predrag Bukovec bedient sich der Methode der Modifizierten Vergleichenden Liturgiewissenschaft, die in dieser Arbeit fortgeschrieben und aktualisiert wird. Er verfolgt mit diesem Ansatz eine globale Perspektive und legt den Fokus auf die ökumenische Erschließung der Quellen. Bezüge zum Neuen Testament und zur Patristik einerseits und zur späteren Rezeption in den Liturgiefamilien (Rom, Byzanz, Antiochia, Alexandria, Edessa, Jerusalem) andererseits vervollständigen das Bild vom Hochgebet als der standardisierten Gattung eucharistischer Liturgie. Der Studie gelingt es damit erstmals, die konkreten strukturellen wie inhaltlichen Entwicklungsdynamiken der wohl wichtigsten Gattung der christlichen Liturgie zu rekonstruieren. Sie gibt Einblick (und so Einblick zu geben) in die spätantiken Entstehungsumstände und ihre überregionale Standardisierung.

Der Preisträger


Predrag Bukovec studierte Katholische Theologie, Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients und Musikwissenschaft an der Universität Tübingen. Im März 2017 promovierte er an der Universität Wien im Fach Theologie. Seit 2013 ist Predrag Bukovec Universitätsassistent am Institut für Historische Theologie der Universität Wien. Von 2011- 2013 war Predrag Bukovec Promotions-stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.